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| Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg: Eine Abrechnung mit den Pop-Ökonomen
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Eine Abrechnung mit den Pop-Ökonomen
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Rezension bezieht sich auf: Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg: Eine Abrechnung mit den Pop-Ökonomen (Gebundene Ausgabe) Kurz nach der ersten Wahl Bill Clintons zum Präsidenten der Vereinigten Staaten veran-staltete die neue Clinton-Administration einen Wirt-schaftsgipfel in Little Rock. Auf diesem sprach Clintons Vorzeige-Wirtschaftsführer John Sculley, seinerzeit noch Chef von Apple Computer. Er betonte die Rolle der USA im internationalen Wettbewerb, in dem die Nationen analog zu den Unternehmen in harter, weil globaler, Konkurrenz ste-hen. Die Teilnehmer des Gip-fels beklatschten die Ausfüh-rungen, unter ihnen Bill Clinton und viele weltbekannte Öko-nomen. Nur einer klatschte nicht, sondern nahm diese Situation zum Anlaß, ein Buch über den weitverbreiteten Irr-tum vom globalen Wirt-schaftskrieg zu schreiben. Anfang 1999 erschien es in deutscher Sprache. Es handelt sich um den be-kannten Ökonomen vom re-nommierten Massachusetts Institute of Technology, Paul Krugman. Der 45-jährige ist seit Jahren ein heißer Anwär-ter auf den Nobelpreis. Schließlich publizierte er 26-jährig seinen ersten bahnbre-chenden Aufsatz über Finanz-krisen, revolutionierte danach die Außenwirtschaftstheorie, gehörte Anfang der 90 Jahre zu der Minorität, die Mexiko und Asien vor schwerwiegen-den Krisen warnten und bot im vergangenen Jahr eine Erklä-rung der Asienkrise von 1997, die heute als Standardanalyse dient. Daß ihm die bedeutend-ste Auszeichnung bislang ver-wehrt blieb, liegt wohl vor al-lem an seiner harschen Kritik an Kollegen und anderen be-rühmten Personen - wie eben Bill Clinton oder dem (aufla-genstarken) Ökonomen Lester Thurow. Seine Kritik liest sich wie folgt: Jeder macht Fehler. Doch es verwundert schon, wenn an-gebliche Experten auf dem Gebiet des internationalen Wettbewerbs nicht einmal eine ungefähre Vorstellung vom Umfang des Handelsbilanzde-fizits der USA haben und nicht wissen, wo man die einfach-sten Industriestatistiken findet. Dabei verfolgen die von Krugman kritisierten Politiker und Ökonomen schlicht die gängige Vorstellung vom schädlichen internationalen Handel, warnen vor einer Ausweitung der Arbeitslosig-keit durch Billiglohnimporte und nehmen diese Argumen-tationen zum Vorwand für unpopuläre - zumeist aber schädliche und sogar nationa-listische - Maßnahmen. Viele politische Entscheidungen werden heute mit dem Verweis auf die internationale Wettbe-werbsfähigkeit begründet, obwohl jedem Ökonomen, der schon einmal eine Leistungs-bilanz gesehen hat, unklar bleibt, was denn das Eine mit dem Anderen zu tun hat. Krugman zieht als Fazit seiner Beobachtungen, daß diese gängige Sichtweise des Welt-handels von Ignoranz geprägt ist. Wichtiger als seine Berufsehre sind Krugman aber offensicht-lich politischen Folgen. Der Handel mit anderen Ländern wird unter quasimilitärischen Vorzeichen eines Wettkampfs gesehen und dient nicht We-nigen als Ersatz für den militä-rischen Wettbewerb des Kal-ten Krieges. Dem deutschen Publikum ist die Standortkam-pagne der deutschen Unter-nehmensverbände durchaus bekannt. Krugman sieht zwar heute die Wettbewerbsdoktrin in den USA auf dem Rückzug, dafür stellt er gerade für Deutschland fest, daß diese klassische Fehlsicht die öffent-liche Debatte nach wie vor stark prägt. Nach eigenem Bekunden will Krugman mit diesem Buch eine Gegenöf-fentlichkeit zu den Vulgäröko-nomen der Wettbewerbsdok-trin schaffen, also ein breites Publikum ansprechen. Hierzu gehöre, daß man auf Fachjar-gon gänzlich verzichte. Dieser Ansatz des Vorwortes gelingt ihm freilich nicht. Die traditio-nellen ökonomischen Theorien des Außenhandels, die Krug-man der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte und das Herz der Argumenta-tion darstellen, sind nicht ohne weiteres für Nichtökonomen verdaulich. Die Theorie der komparativen Vorteile und die Erkenntnis, Außenhandel brin-ge Wohlstandsgewinne für alle beteiligten Länder, versucht Krugman anschaulich und auch ausgewogen darzustel-len. Als Vertreter der wissen-schaftlichen Ökonomenzunft verteidigt er gegen eine natio-nalistische Abschottungspolitik den möglichst freien Außen-handel, obwohl er selbst in den 70er Jahren durch seine Kritik an ihr Weltruhm erlangte. Eine - wie er selbst sagt - paradoxe Situation. Die größte Schwä-che des Buches ist, daß es sich um eine Aufsatzsamm-lung handelt. Deshalb wieder-holt sich Vieles. Trotzdem ist der Washington Post Recht zu geben, als sie schrieb: Nie-mand, der über Wirtschafts-theorie schreibt, macht es besser als Paul Krugman.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 3. Mai 1999 | | |
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